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Ein Thema, bei dem ich Andreas Clauser zu Wort kommen lassen möchte. Andreas ist Jäger und züchtet Irish Terrier im Zwinger St. Patrick's:

Der Irish und die Jagd
Das Wichtigste, was einen Irish als Jagdhund qualifiziert, ist der Jäger, der ihn auch tatsächlich einsetzt.

Die Ausbildung eines Hundes für den Jagdgebrauch ohne spätere Einsatzmöglichkeit bringt nur Nachteile, weil der Jagdtrieb im Hund geweckt und gefördert wurde,ohne dass er ihn ausleben kann.
Außerdem werden bei der Ausbildung wildlebende Tiere gestört und getötet. Dies ist ethisch nur vertretbar, wenn der Hund später auch zur Suche nach angeschossenem Wild eingesetzt wird und dabei dessen Leiden nach einem nicht sofort tödlichen Schuss zu verkürzen hilft.

Ein geeigneter Jagdhund muss einige Anlagen mitbringen, die sich züchterisch fördern lassen. Da bei den Irish Terriern über viele Generationen keine dementsprechende Auslese stattfand, finden sich einige für einen universellen Gebrauch erforderliche Anlagen nicht oder nur selten in unseren Hunden. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten des Irish Terriers einerseits ein. Andererseits bewahrt in dies vor einem oft zu beobachtenden Übel. Nämlich zu stark ausgeprägten Trieben, die das Steuern des jagdlichen Einsatzes bei sehr hoch veranlagten Hunden zu einem Meisterstück für Profis machen. Von einem "Normaljäger" sind solche hochpassionierten Spitzenhunde nicht zu bändigen.
Die Vorteile des Irish Terriers liegen in seiner Leichtführigkeit(das glaubt mir keiner, der bisher nur Jagdterrier geführt hat), seiner führerbezogenen Jagdweise, der Wild- und Raubwildschärfe und seiner unvergleichlichen Hartnäckigkeit beim Halten der einmal aufgenommenen Spur oder Fährte.

Größe, Kraft und Schnelligkeit befähigen ihn zum Verlorenbringen allen Wildes bis zum Hasen. Ein schwerer Fuchs dürfte jedoch die meisten Irish ein wenig überfordern.
Der größte Nachteil des jagenden Irish ist der fehlende Laut. Die weitaus meisten jagen stumm. Und mindestens sichtlaut sollte ein im Wald oder bei der Nachsuche eingesetzter Hund schon sein. Es gibt zwar einige Irishbesitzer, die mir berichten, dass ihr Hund Wild "lauthals" verfolgt. Aber wirklich überprüfen konnte ich das bisher noch bei keinem dieser als laut bezeichneten Hunde.
Sehr unterschiedlich verteilt ist die Wasserfreude. Von Hunden, die problemlos das Wasser annehmen und auch drin bleiben, wenn sie schwimmen müssen bis zu Totalverweigerern, die trotz Schwimmstunden während der Prägungsphase(!) später freiwillig keine Pfote mehr ins tiefe Wasser setzen ,ist alles vorhanden.

Die Nasenleistung weist ebenfalls eine weite Spannbreite auf. Sie ist sicherlich am schwierigsten zu beurteilen, weil auch eine mittelmäßige Nase für die meisten jagdlichen Belange ausreicht. Außerdem findet der Irish auch bei mangelnder Nasenleistung oft was er sucht, weil er eine einmal aufgenommene Spur oder Fährte meist mit größtem Durchhaltewillen hält, wenn er erst mal gelernt hat, dass er so zum Erfolg kommt. Es dauert dann halt nur etwas länger. Ich würde sagen, dass keiner der von mir bisher geführten Irish mit echten Spitzenhunden mithalten kann. Mein derzeitiger Teckel hat eindeutig die beste Nase aller bisher von mir geführten Hunde. Aber die besseren Irish sind sicherlich im oberen Mittelfeld anzusiedeln und bringen damit alles mit, was sie als universeller Jagdhelfer an Nasenleistung benötigen.

Wer also nicht ausschließlich im Wald jagt, aber einen führigen Hund sucht, der ihn auf Treibjagden unterstützt, der einfache Totsuchen bewältigt und die nötige Wildschärfe mitbringt ist mit dem Irish Terrier gut beraten. Er ist kein Hund für jagdliche Vollprofis, die Spitzenhunde mit höchsten Anlagen brauchen und auch auslasten können. Aber der passionierte Jäger, der das Waidwerk neben seinem Beruf ausübt und vielleicht auch noch auf familiäre Verpflichtungen Rücksicht nehmen muss, ist der geeignete Irish Terrier Kandidat.

Denn das ist für mich das Faszinierenste an dieser Rasse: Sie unterscheiden genau zwischen Jagd und zivilem Leben. Und sie bleiben der anhängliche, liebebedürftige, kinderfreundliche Familienhund, der nichts vermisst, wenn es mal ein paar Wochen lang nicht ins Revier geht. Hauptsache, sie sind mit ihrem Menschenrudel zusammen und genießen die Zuwendung ihrer Familie. Wirklich ein Hund für alle Fälle.

….und die andere Seite: Mein Hund jagt nicht!

Er läuft nur kurz 'ne Runde und kommt dann von allein zurück - und Hasen und Vögel kriegt er sowieso nicht …

Ein leidiges Thema, das in den Köpfen fast jedes Hundebesitzers spukt. Zugegeben, es gibt auch Rassen, die kaum jagdlich interessiert sind. Die meisten Irisch Terrier gehören nicht dazu. Interessiert sind sie alle. Wie sehr sie dem nachgehen ist die andere Frage – und was man daraus macht. Letztendlich bleibt das jedem selber überlassen. Hier ein paar Gedanken zu den Problemen, die es mit sich bringt:

Und was ist daran so schlimm?

Der erste Gedanke ist in der Regel: wie krieg ich den Hund zurück zu mir? Er kommt ja sonst immer sofort, wenn ich rufe oder pfeife, aber hinter dem Reh hört er mich irgendwie nicht.

Leider ist das nicht das einzge Problem. Bei einem sehr interessanten Vortrag und Diskussionsabend zum Thema "Informationen zu Jagd und Wild für Nichtjäger" mit Andreas Clauser ist uns erst so richtig klar geworden, was das Hetzen und Jagen unserer Hunde für die Natur bedeuten kann. Andreas hat uns dazu auch den folgenden Artikel zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank!

Störungen durch freilaufende Hunde

Liebe Hundefreunde

im Frühjahr kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Jägern und anderen Naturfreunden einerseits und Hundehaltern, die ihre Hunde im Außenbereich frei laufen lassen andererseits.

Ein Hauptgrund dafür ist, dass kaum ein Hundehalter erkennt, welche gravierenden Auswirkungen auf die Tierwelt der Hund – gerade im Frühjahr – haben kann, auch wenn er freilebende Tiere nicht direkt jagt und hetzt.

Sowohl in stadtnahen Gebieten als auch in der intensiv landwirtschaftlich genutzten Landschaft können sich viele Tierarten nur noch knapp behaupten. Um eine möglichst artenreiche Fauna zu erhalten, müssen diese Tierarten so gut wie irgend möglich vor schädlichen Einflüssen geschützt werden. Schon der Verlust eines einzigen Exemplars, einer Brut oder einiger Jungtiere kann fatale Folgen für die Gesamtpopulation haben.

Durch Hunde besonders gefährdet sind alle offen lebenden Tierarten, die sich und Jungtiere nicht durch Rückzug auf Bäume oder in Höhlen schützen können. Bei den Vögeln sind dies die Bodenbrüter wie Kiebitze, Lerchen, Rebhühner, Wachteln und Fasane, bei den Säugetiere vor allem Hasen und Rehe.

Hasen und Rehe legen ihre Jungtiere in den ersten Lebenswochen sorgfältig versteckt ab und suchen sie nur wenige Male am Tag auf, um sie zu versorgen. Verscheucht jetzt ein freilaufender Hund das Muttertier, sind die zurückbleibenden Jungtiere durch Hunger und Beutegreifer aus höchste gefährdet.

Der Hundehalter erkennt oft gar nicht, dass ein Wildtier vertrieben wurde, wenn sein Hund „nur mal eben“ an einer Hecke entlang gelaufen ist. Und wenn er von einer Hetze bald zurückkommt, scheint „ja gar nicht passiert“ zu sein.

Ein folgenschwerer Irrtum, der sich bei bodenbrütenden Vögeln noch gravierender auswirken kann. Denn ein vom Gelege verscheuchter Vogel deckt sein Gelege nicht ab, wie er es tut, wenn er sich planmäßig vom Nest entfernt. Die offen zurückbleibenden Eier werden häufig innerhalb von Minuten von Krähen oder anderen Rabenvögeln entdeckt. Das Schicksal des Geleges ist damit besiegelt.

Dabei ist es so einfach, eine Schädigung der Tierwelt durch den eigenen Hund zu vermeiden.

  • Beim Spaziergang den Hund in unmittelbarer Nähe und auf dem Weg halten.
  • Auch selbst nicht vom Weg abweichen.
  • Vor allem deckungsreiche Landschaftsteile (hohen Bewuchs, Hecken, Dickungen) meiden
  • Hunde nur in offenen, ungefährdeten Bereichen (am besten in Absprache mit den örtlichen Landwirten und Jägern) laufen und spielen lassen

Wenn man dann noch für Hinweise auf besonders sensible Bereiche offen ist und anderen Besuchern der freien Landschaft durch eigenes Verhalten ein gutes Beispiel gibt, hat man schon sehr viel für den Schutz von Natur und Umwelt getan.

Andreas Clauser.